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Charity mit Gänsehaut-Faktor: Warum der EISARSCH am Attersee etwas Besonderes ist

Aktualisiert: 28. Apr.




Wenn Anfang Dezember Erwachsene freiwillig in winzige Kinderjollen steigen, sich bei einstelligen Temperaturen vom Nordostwind geißeln lassen – und dabei auch noch breit lächeln –, dann hat das einen Grund: Charity. Die legendäre EISARSCH-Regatta im Union-Yacht-Club Attersee (UYCAs) verbindet seit vielen Jahren seglerischen Wahnsinn mit gesellschaftlicher Verantwortung.


Der österreichische EISARSCH wird vom Benefizverein Eisarsch in Kooperation mit dem UYCAs organisiert und hat sich zu einem Fixpunkt im Regattakalender entwickelt. Jedes Jahr kommen rund 100 Teilnehmer:innen an den Attersee, um in Optimist-Jollen zu segeln – einem Boot, das normalerweise für Kinder bis etwa 40 kg gedacht ist. Für Erwachsene wird der „Optimist im Optimisten“ damit zur wackeligen, nassen und ziemlich kalten Balanceübung.


Charity, die man in den Beinen (und im Hintern) spürt


Das Motto lässt keinen Zweifel: „Wir frieren uns für euch den Arsch ab!“ – und zwar für Kinder, die Unterstützung dringend brauchen. Der Reiz liegt dabei nicht nur im skurrilen Format, sondern im klaren karitativen Fokus:


  • Die Regatta ist als Charity-Event konzipiert, der Reinerlös geht an Projekte für Kinder und Jugendliche in schwierigen Lebenslagen.

  • 2024 wurde ein neuer Spendenrekord aufgestellt: 30.250 Euro gingen an den Verein „Seelenpflaster“, der psychotherapeutische Betreuung für Kinder und Jugendliche finanziert, deren Eltern sich diese Behandlung nicht leisten können.


  • Beim Hauptrennen werden die Segler:innen inklusive Segelkleidung gewogen – pro Kilogramm fließt ein fixer Betrag in den Spendentopf (aktuell 0,35 € pro Kilo).


Charity bleibt hier kein abstrakter Begriff, sondern wird im wahrsten Sinne des Wortes körperlich erfahrbar: Wer mitmacht, spürt, dass Geben auch etwas kostet – Zeit, Komfort, vielleicht ein paar blaue Zehen. Gerade das macht den besonderen Spirit dieser Veranstaltung aus.


Offene Tore, offene Herzen


Bemerkenswert ist auch das Setting: Das Clubgelände des Union-Yacht-Club Attersee, sonst ein geschützter Ort für Mitglieder und Regattasport, öffnet sich beim EISARSCH bewusst für „Jedermann*frau“. Zuschauen, mitfiebern, mitfeiern – Eintritt frei, Spenden erwünscht.


Das Zusammenspiel aus Sport, Festivalcharakter (Zeltfest, Musik, gemeinsames Feiern) und einem klaren sozialen Zweck schafft genau das, was moderne Charity-Formate brauchen:


  • Niedrige Schwelle: Man kann einfach vorbeikommen – ohne Dresscode, ohne Einladung.


  • Emotionale Bindung: Man sieht, wer sich für wen „den Arsch abfriert“.

  • Transparenz: Die begünstigten Organisationen – wie „Seelenpflaster“ – werden klar benannt, die Spendenübergabe ist öffentlich sichtbar.


Warum solche Formate wichtig sind – auch über den See hinaus


Gerade in Zeiten, in denen psychische Belastungen bei Kindern und Jugendlichen deutlich zunehmen, sind verlässliche, kreative Finanzierungswege für Hilfsangebote entscheidend. Charity-Events wie der EISARSCH leisten hier dreifachen Nutzen:

  1. Finanzielle Unterstützung, Konkrete Projekte (Therapieplätze, Beratungsangebote, Begleitprogramme) können direkt ermöglicht oder ausgebaut werden.

  2. Sensibilisierung: Dass Segler und Medien offensiv über Kinder- und Jugendpsychotherapie sprechen, schafft Sichtbarkeit für ein Thema, das noch immer mit Scham besetzt ist.


  3. Community-Building: Sportvereine und Initiativen werden zu Plattformen sozialer Verantwortung – vom Attersee aus mit Strahlkraft weit über die Region hinaus.


Perspektive: Charity als gelebte Haltung

Der EISARSCH ein Paradebeispiel dafür, wie Sport, Humor und gesellschaftliches Engagement ineinandergreifen können:

  • Die Regatta zeigt, wie aus einem verrückten Einfall ein professionell organisierter, nachhaltiger Charity-Event werden kann.

  • Sie macht deutlich, dass Mental Health bei Kindern und Jugendlichen kein Nischenthema ist, sondern ins Zentrum unserer Aufmerksamkeit gehört.

  • Und sie erinnert daran, dass gemeinsames Handeln – auf dem Wasser, im Verein, in der lokalen Community – mehr bewirkt als jede Einzelspende im Stillen.

Wer Charity verstehen will, sollte nicht nur Zahlen betrachten, sondern Geschichten: Die Geschichte von Erwachsenen, die sich in Kinderboote zwängen. Die Geschichte eines Clubs, der seine Tore weit öffnet.

Und die Geschichte von Kindern, für die es dank dieser „Eisärsche“ ein Stück heller und leichter wird.

Der EISARSCH am Attersee ist nicht nur ein Kult-Event für Segel-Nerds, sondern ein starkes Signal: Charity funktioniert dann am besten, wenn sie Menschen bewegt – emotional, körperlich und gemeinschaftlich.



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