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Vidi-Pokal 2026, Starnberger See




Der Vidi-Pokal 2026 des Münchner Yacht-Club war keine gewöhnliche Yardstick-Regatta. Sein besonderer Reiz lag im Känguru-Start: Die Boote gingen nicht gemeinsam auf die Bahn, um erst nachträglich über eine berechnete Zeit sortiert zu werden, stattdessen erhielt jede Bootsklasse entsprechend ihrer Yardstickzahl ein eigenes Startsignal.


Die Ausgleichsrechnung wird damit in den Start eingebaut; danach gilt eine einfache, für Segler wie Zuschauer gleichermaßen verständliche Wahrheit: Wer vorne ins Ziel kam, steht vorne in der Liste. Genau darin liegt die sportliche Herausforderung dieses Formats. Der Känguru-Start nimmt dem Yardsticksegeln jede nachträgliche Abstraktion. Ab dem eigenen Startsignal zählt jeder Meter, jeder freie Wind, jede saubere Wende und jede Entscheidung vor und an der Bahnmarke.


Der DRACHEN zum Beispiel hat die Yardstickzahl 107; sie starteten damit 13 Minuten nach den Booten mit Yardstickzahl 120.



Der 5. Juli war am Starnberger See kein Sommertag für eine elegante Klassikerparade. Die Wettervorhersage für Starnberg stand auf leichtem Niederschlag, 30 Min. vor der Startzeit ging die Sturm-Vorwarnung mit 45 Blitzen / Minute an; die Bedingungen waren wechselhaft und anspruchsvoll.


Vorgesehen war 2-h-Wettfahrt. An der Spitze setzte sich klar die 20m2-Rennjolle Z492 Cumulus vom Bayerischen Yacht-Club (BYC) durch. Dahinter folgten der 45er P238 Primavera vom MYC auf Rang zwei und P243 Ahoi Baby vom BYC auf Rang drei. G46 Argo V vom DTYC und P241 Vera Cruz vom YCP komplettierten die ersten fünf Plätze. Aus Sicht des BYC war der Vidi-Pokal ein starker Auftritt. Mit Cumulus auf Rang eins, Ahoi Baby auf Rang drei sowie mehreren weiteren Booten unter den ersten zehn setzte der Club ein klares Zeichen. Der MYC war mit Primavera auf Rang zwei prominent vertreten und stellte als ausrichtender Club zugleich den Rahmen für ein breites, klassisch geprägtes Feld. Genau diese Mischung macht die Starnberger See Classics aus: verschiedene Bootstypen, erfahrene Crews und ein Format, das Regattasport unmittelbar sichtbar macht.

Sportlich machte gerade diese Mischung den Reiz aus. In einem Feld historischer und klassischer Boote entscheidet selten allein die theoretische Geschwindigkeit. Entscheidend ist, ob eine Crew nach dem gestaffelten Start sofort in ihren Rhythmus findet, freien Wind hält, Abdeckungen vermeidet und das Boot sauber durch die wechselnden Zonen des Kurses führt. Beim Känguru-Format wird der Start nicht zur Formalität, sondern zum ersten taktischen Prüfstein. Wer zu früh startet, riskiert nach Segelanweisung eine empfindliche Zeitstrafe (5 min. plus die zu früh gestartete Zeit); wer zu vorsichtig startet, verschenkt den Vorteil, den die eigene Yardstickzahl eigentlich eröffnen soll.



Auch die Breite des Feldes spricht für den sportlichen Anspruch dieser Wettfahrt. 37 Boote kamen regulär in die Wertung. Dahinter folgte eine Gruppe, die mit DNC, DNF, RET oder NSC geführt wurde. Das ist bei einer Klassikerregatta nicht ungewöhnlich, aber es zeigt, dass Ankommen und sauber Durchsegeln bereits Teil der sportlichen Leistung waren. Material, Crewabstimmung, Startdisziplin und die Fähigkeit, eine einzige Wettfahrt ohne größere Fehler zu Ende zu bringen, wurden unmittelbar sichtbar.



Ein eigener Blick lohnt sich auf den DRACHEN Bonzo GER496 vom BYC. Die offizielle Ergebnisliste führt das Boot mit Dr. Dietrich Hasse und Dr. Florian Sonneck auf Rang 29. Zur Crew gehörten außerdem der 15-jährige Philipp Sonneck sowie Adam Cichecki aus Hessen. Rang 29 ist kein Ergebnis für eine Siegerzeile. Aber es ist auch kein Ergebnis, das man achtlos übergehen sollte. Bonzo kam regulär ins Ziel und blieb damit vor mehreren gewerteten Booten sowie vor sämtlichen nicht regulär gewerteten Teilnehmern. In einem heterogenen Klassikerfeld, mit gestaffeltem Start und nur einer gewerteten Wettfahrt, ist das eine solide Standortbestimmung im hinteren Mittelfeld.


Die nüchterne Liste sagt: Platz 29. Die seglerische Lesart ist differenzierter. Ein klassischer Holzdrachen, 60 Jahre alt, verlangt eine andere Sprache als eine Jolle. Er reagiert nicht hektisch, aber konsequent. Er braucht saubere Beschleunigung, Geduld im Trimm, beständige Aufmerksamkeit an Groß und Genua und ein klares Gefühl dafür, wann Höhe und wann Fahrt wichtiger sind. Gerade bei wechselhaften Binnenbedingungen kann ein knapp 2-to-schweres Kielboot schnell in jene Zone geraten, in der jeder verlorene Meter doppelt zählt: zunächst gegen die direkten Gegner auf dem Wasser, später gegen die eigene Yardstick-Erwartung.


Für Bonzo war dieser Vidi-Pokal deshalb kein Triumphbericht, sondern ein ehrlicher sportlicher Standort. Regulär beendet, Boote hinter sich gelassen, aber mit erkennbarer Luft nach vorne. Genau diese Nüchternheit passt zum Charakter der Regatta. Der Känguru-Start verzeiht keine Rechenkunst und keine Ausrede. Er zeigt auf dem Wasser, wo eine Crew steht.


Der Vidi-Pokal 2026 war damit mehr als eine Ergebnisliste. Er war ein sichtbares Rennen: vorne die Crews, die ihre Yardstick-Ausgangslage konsequent in reale Führung verwandelten; dahinter ein Feld, in dem jede saubere Entscheidung zählte; und am Ende der Nachweis, dass Klassikerregatten auf dem Starnberger See nicht nur Eleganz, sondern auch Konzentration, Robustheit und gutes Handwerk verlangen.


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