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Zweimeterdreißig im Herbstwind: Optimisten am Chiemsee

vor 22 Stunden
3 Min. Lesezeit


Beim Herbstpokal des Südens in Bernau am Chiemsee am 24. und 25. Oktober 2026 treffen rund 90 kleine Boote auf anspruchsvolles Herbstwetter. Kälte, böiger Wind und zahlreiche Kenterungen prägen die Regatta vor Bernau-Felden. Lena Niederfahrenhorst und Greta Hibler gewinnen die beiden Optimisten-Wertungen. Ihre Siege entstehen in einer Serie, die weit mehr als gute Starts verlangt.

Gegen 13:30 Uhr registrierte die DWD-Station am Samstag einen Wind, dessen Zehnminutenmittel bei knapp 18 Knoten lag. Die stärkste Böe desselben Messintervalls erreichte rund 33 Knoten, etwa 62 Stundenkilometer. Dazu gut acht Grad Lufttemperatur.

Auf den beiden Regattabahnen waren die Folgen zu sehen: eine Böenfront, zahlreiche Kenterungen und viele junge Seglerinnen und Segler, die Wettfahrten wegen Kälte und böigen Winds aufgaben. Das Wetter bestimmte, wie lange ein Rennen für den Einzelnen überhaupt noch zu bewältigen war, in Bernau waren es fast 60 % der Segler, die mindestens eine Wettfahrt aufgaben oder nicht mehr starteten.

Auf solchen Regatten zeigt sich, was in einem Optimisten steckt. Das Boot ist 2,30 Meter lang, sein Rumpf wiegt 35 Kilogramm, die Segelfläche beträgt 3,5 Quadratmeter. An Bord sitzt ein Kind zwischen sieben und 15 Jahren. Der junge Segler steuert, bedient das Segel, verlagert das eigene Gewicht und entscheidet, welchen Weg es durch das Feld nimmt.

Der Opti ist für viele der Einstieg ins Segeln. Zugleich ist er eine internationale Regattaklasse. Seine eckige Form und das Sprietsegel machen ihn leicht erkennbar. Die übersichtliche Konstruktion bietet einen Zugang zu einem Sport, der auf der Regattabahn sehr anspruchsvoll werden kann.

Der Optimist ist eine Einheitsklasse. Rumpfform, Bauweise, Gewicht, Rigg und Segelplan sind durch Klassenvorschriften eng festgelegt. Das schafft eine gemeinsame technische Grundlage. Innerhalb dieser Grenzen bleiben Trimm, Körperarbeit, Steuertechnik und taktische Entscheidungen entscheidend. Ein kleines Boot verlangt dabei dieselbe Aufmerksamkeit für Wind und Konkurrenz wie eine große Yacht.

Die Bezeichnungen A und B brauchen eine Erklärung: Seit Anfang 2026 ist die deutsche Gruppeneinteilung vor allem altersabhängig: Ab dem Kalenderjahr des zwölften Geburtstags starten die Kinder in Opti A. Wer im laufenden Jahr höchstens elf wird, gehört grundsätzlich zu Opti B, kann aber mit entsprechendem Qualifikationsnachweis früher in A wechseln. Die B-Gruppe umfasst damit die jüngeren Kinder; A ist auch für spät einsteigende ältere Kinder die zuständige Gruppe.


Der Bernauer Segel-Club Felden und der Chiemsee-Yacht-Club organisierten den Herbstpokal gemeinsam. Zwei getrennte Bahnen ermöglichten den Gruppen einen eigenen Rennbetrieb.


Seit 2017 wird der Herbstpokal des Südens ausgetragen. Mit ihm knüpfen die beiden Chiemsee-Vereine an die Tradition der Herbstpokal-Regatten an anderen Revieren an. 2018 bezeichnete der Bernauer Segel-Club Felden seine Veranstaltung als „kleine Schwester“ des Schweriner Herbstpokals, dort ausgetragen seit 1990.

Sechs Wettfahrten waren in Bernauz ausgeschrieben, fünf wurden in jeder Gruppe gesegelt. Das Wetter entwickelte sich im Laufe des langen Segeltages am Samstag ausgesprochen ungleichmäßig. Gegen 12:30 Uhr herrschte Wind von gut fünf Knoten. Eine Stunde später waren es knapp 18 Knoten, begleitet von Böen bis 30 Knoten bei maximal zehn Grad . Ausgelaufen wurde gegen 11:30 Uhr, die Rückkehr in den Hafen erfolgte gegen 17:30 Uhr. Für die bis zum Ende auf dem Wasser gebliebenen Kinder umfasste dieser Segeltag damit rund sechs Stunden. Gerade unter diesen Bedingungen fällt die Gestaltung der Zeit zwischen den Wettfahrten ins Gewicht. Bei Opti A gab es zwischen den Wettfahrten Wartepausen von ungefähr einer halben Stunde. In dieser Zeit waren die Kinder mit wenig Bewegung Wind und Kälte ausgesetzt.


Die vom Chiemsee-Yacht-Club geleitete B-Gruppe erlebte demgegenüber nach den Beobachtungen vor Ort eine zügige Wettfahrtfolge ohne vergleichbare zusätzliche Wartepausen. Gerade den jüngeren Kindern kam ein Ablauf zugute, der unnötige Zeit auf dem kalten Wasser vermied.

Für die A-Gruppe verzeichnet das offizielle Protokoll den vierten Start um 16:25 Uhr und die letzte Zielankunft um 17:26 Uhr. Der erste Start hatte um 11:53 Uhr stattgefunden. Diese Zeiten machen die Länge des sportlichen Programms greifbar. Mit dem Auslaufen und der Rückkehr in den Hafen wurde daraus ein rund sechsstündiger Tag auf dem Wasser.

Die Ergebnisliste dokumentiert, wie sich das Feld im Laufe des Samstags verkleinerte. In Opti A waren es im ersten Rennen 53, im zweiten 49, im dritten und vierten weniger als 40.

Am Sonntag folgte eine letzte Wettfahrt bei elf bis 16 Knoten um zehn Grad bei leichtem, aber durchgängigen Niederschlag. Am Ende erhielten in der fünften B-Wettfahrt acht der 34 in der Gesamtwertung geführten Boote einen Zielplatz. In Opti A waren es 33 von 54. Zu dieser Regatta gehört deshalb auch die Entscheidung, eine Wettfahrt aufzugeben. Sie kostet Punkte. Sie kann zugleich der eigenen Situation auf dem Wasser Rechnung tragen. Eine Ergebnisliste erfasst den sportlichen Ausgang; sie ersetzt keine Beschreibung dessen, was ein Kind bis dahin bewältigte.



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